Anglo-Amerika und Kontinental-Europa — Folge 12: Der Doppelstandard

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„Mr. Ehlert, das ist einfach falsch!” „Tja — den Indianern ihr Land wegzunehmen war auch falsch. Aber sind Sie nicht froh, dass wir es getan haben?”

The Middle, Staffel 1, Folge 8 (2009)

Die andere Seite der Ordnung von unten

Die letzte Folge endete hell. William Penns „heiliges Experiment”, die freieste Kolonie der Welt, eine Religion, die sich von unten selbst organisierte. Jetzt ist es Zeit, dieselbe Welt von der anderen Seite zu betrachten.

Beginnen wir, wo das helle Bild am hellsten ist. 1682, einer Überlieferung nach unter einer Ulme am Ufer des Delaware, bei einem Ort namens Shackamaxon, schloss Penn mit den Lenape einen Vertrag. Er trägt keine Unterschrift und kein Datum, und manches an ihm ist Legende, von Benjamin Wests berühmtem Gemälde (Folge 11) später verklärt. Aber der Kern stimmt: Penn kaufte das Land, statt es zu nehmen, lernte ein paar Brocken Lenape, hielt Frieden. Voltaire spottete, es sei der einzige Vertrag zwischen Indianern und Christen, der nie beschworen und nie gebrochen wurde.

Der Wampum-Gürtel, der William Penn 1682 beim „Großen Vertrag“ unter der Ulme von Shackamaxon von den Indianern überreicht wurde.

War Penn ein Heiliger? Eher ein Realist mit Gewissen. Seine Quäker-Kolonie war jung und schwach, umgeben von zahlreichen, mächtigen Lenape. Wer keine Armee hat, kauft Frieden. Fairness war hier Überzeugung und Klugheit zugleich. Solange Penn lebte, hielt das.

Der Riss

Penn starb 1718, krank und von Schulden geplagt. Seine Erben hatten andere Sorgen, vor allem Geld. Und 1737 taten sie etwas, das den Namen ihres Vaters auf Generationen beschmutzte.

Thomas Penn, der maßgebliche Erbe, und der Provinzsekretär James Logan zogen einen alten, unsignierten Entwurf einer Urkunde von 1686 hervor, in dem die Lenape angeblich so viel Land abgetreten hatten, wie ein Mann in anderthalb Tagen abgehen könne. Ob die Urkunde je gültig war, ist bis heute zweifelhaft. Penn und Logan ließen es darauf ankommen. Sie räumten heimlich einen Pfad durch den Wald, heuerten die drei schnellsten Läufer der Kolonie an und schickten sie los.

Territory lost by the Lenape through the Walking Purchase, Public Domain
Gebiet, das die Lenape durch den Walking Purchase verloren, Public Domain

Es war kein Gehen, es war ein Wettrennen. Einer, Edward Marshall, hielt durch und schaffte in den anderthalb Tagen rund siebzig Meilen, weit mehr, als jeder Lenape erwartet hatte. Dann nahm man nicht, wie vereinbart, die kürzeste Verbindung zum abgrenzenden Fluß, sondern wählte einen 90-Grad Winkel zur gelaufenen Strecke, dass vergrößerte die Fläche noch einmal immens. Am Ende hatte die Familie Penn ein Gebiet von rund zwölfhundert Quadratmeilen kassiert, das ganze Lehigh-Tal. Die Lenape nannten es Betrug. Sie hatten recht.

Eine Sache auch zwischen den Indianern

Hier wird die Geschichte unbequemer, als das schlichte Bild von weißen Räubern und roten Opfern es zulässt. Denn als die Lenape sich weigerten zu weichen, holte Pennsylvania nicht die Miliz. Es holte die Irokesen.

Die Sechs Nationen, die mächtige Liga im Norden, beanspruchten seit Langem eine Oberherrschaft über die Lenape; sie hätten sie, so die irokesische Sicht, einst unterworfen und „zu Frauen gemacht”, also entwaffnet, zu Schutzbefohlenen herabgesetzt. 1742, auf einer Ratsversammlung in Philadelphia, machte die Provinz sich das zunutze. Der Onondaga-Sprecher Canassatego erhob sich, sprach den Lenape jedes Recht ab, das Land überhaupt verkauft zu haben, und schloss mit einer Demütigung: „Ihr seid Frauen. Nehmt den Rat eines weisen Mannes an und zieht sofort fort.” Die Lenape zogen fort.

Im siebzehnten Jahrhundert hatten die Sechs Nationen in den sogenannten Biberkriegen ganze Völker unterworfen oder zerstreut, die Huronen, die Erie, die Susquehannock, im Streit um Jagdgründe und den Pelzhandel. Der Krieg gehörte zur Welt der Ureinwohner so selbstverständlich wie zu der der Europäer, und er war nicht milder. Gefangene wurden adoptiert, um die eigenen Toten zu ersetzen, oder rituell zu Tode gefoltert. Das Bild vom friedlichen Naturvolk, dem erst der Weiße die Gewalt brachte, ist so falsch wie sein Zerrbild, der blutrünstige Wilde. Es gab Macht, Eroberung und Grausamkeit auf allen Seiten.

Die Vertreibung lief also nicht nur gegen indianische Macht, sondern durch sie hindurch. Pennsylvania betrog; die Irokesen vollstreckten, aus eigenem Machtkalkül. Das macht den Landraub nicht kleiner, aber es macht ihn wahrer. Es war kein Western.

Der Mann, der in der Mitte blieb

In diesem Raum bewegte sich Conrad Weiser, der Schwiegervater Mühlenbergs aus der letzten Folge. Wenn Pennsylvania und die Irokesen verhandelten, dolmetschte er; das Bündnis, das die Lenape vertrieb, lief über seine Worte.

Weiser war der Dolmetscher, nicht der Drahtzieher; den Betrug hatte Thomas Penn begangen, den Befehl sprach Canassatego. Weiser war etwas Selteneres: ein Mann, dem beide Seiten vertrauten. Die Irokesen hatten ihn Jahre zuvor Tarachiawagon genannt, „der die Himmel hält”, nachdem er in einem Hungerwinter durch Schnee und Frost bis zu ihrer Hauptstadt Onondaga gegangen war, um Frieden zu stiften. Als er 1760 starb, kamen Indianer an sein Grab, und ein irokesischer Häuptling sagte: „Wir haben einen großen Verlust erlitten und sitzen im Dunkeln; seit seinem Tod können wir einander nicht mehr so gut verstehen.”

Der gerechteste Vermittler, den die Grenze hatte, von beiden Seiten geachtet, konnte den Landraub nicht aufhalten, die Maschinerie lief.

So weit das Licht reichte

Die Maschine hatte einen Motor, und der war eine Idee. Wir sind ihr in Folge 6 schon begegnet: John Lockes Eigentumstheorie.

Sie entsprang nicht der Gier, sondern der Angst vor der Willkür. Aber er schrieb das Eigentumskapitel nicht nur als Philosoph in seinem Arbeitszimmer. Er war gleichzeitig Sekretär der Lords Proprietors of Carolina — des Konsortiums, dem die Kolonie gehörte. Die Theorie und das Verwaltungsgeschäft lagen auf demselben Schreibtisch. Das macht ihn nicht zum Heuchler; seine Zeitgenossen sahen keinen Widerspruch, weil einer zu ihrer Zeit noch keiner war. Aber es erklärt, warum die Theorie so präzise aus der Kolonistenperspektive funktionierte.

Im Jahrhundert der Bürgerkriege suchte er einen Grund, auf dem das Eigentum sicher war vor dem Zugriff eines absoluten Königs. Seine Antwort: Eigentum entsteht durch Arbeit. Wer sein eigener Herr ist, besitzt seine Arbeitskraft; wer sie mit der Natur „vermischt”, ein Feld pflügt, einzäunt, bestellt, macht das Land zu seinem Eigentum, schon vor dem Staat und gegen ihn. Das war als Bollwerk gegen die Tyrannei gedacht, von unten gebaut. So wurde es auch ein Fundament der amerikanischen Freiheit.

Und dieselbe Logik enteignete die Lenape. Wenn nur Arbeit, nur „Verbesserung” Eigentum schafft, dann gehört Land, das niemand im europäischen Sinne bebaut, niemandem und wartet auf den, der es bebaut. Locke schrieb den Satz, in dem ganz Amerika steckt: „Am Anfang war die ganze Welt Amerika.” Ungenutzter Überfluss, den erst die Arbeit wertvoll macht. Die Kolonisten lasen das wörtlich. Schon die puritanische Idee des vacuum domicilium, des „leeren Wohnsitzes”, hatte es vorweggenommen: John Winthrop in Massachusetts erklärte, weil die Indianer das Land nicht einzäunten und nicht „verbesserten”, könnten sie es nicht besitzen; wer es bebaue, erwerbe es rechtmäßig. Man nahm den Ureinwohnern, so die Logik, gar nichts weg. Man schuf erst Eigentum, wo keines gewesen war.

Das war eine Fiktion, und die Indianer wussten es. Die Irokesen ackerten sehr wohl, die „drei Schwestern”, Mais, Bohnen, Kürbis; sie hielten den Wald durch Feuer offen, sie pflegten das Land, sie besaßen es nur anders, als gemeinsames Lehen des Schöpfers, nicht als Ware mit Zaun. Das europäische Recht erkannte nur die eine Form an, die mit dem Zaun.

A traditional Iroquois longhouse, Public Domain
Ein traditionelles Langhaus der Irokesen, Public Domain

Und die Fiktion war nicht nur kulturelle Blindheit. Der Philosoph John Douglas Bishop hat 1997 gezeigt: Wer Lockes eigene Kriterien — Arbeit, Verbesserung, Anbau — ohne Willkür anwendet, muss die Eigentumsansprüche der Irokesen anerkennen. Mais, Bohnen, Kürbis und bewirtschafteter Wald erfüllen sie. Die Theorie enthielt ihre eigene Widerlegung. Locke hat sie nicht gesehen, weil seine Zeit sie nicht sah.

Noch schärfer: Auch die europäische Allmende war Gemeinschaftsland — kollektiv bewirtschaftet, meist ohne Zaun, geregelt durch Gewohnheitsrecht. Ein bayerischer Bauer durfte keine norddeutschen Weiden nutzen; das englische Common Land war streng reglementiert, die Nutzungsrechte der Dorfgemeinschaft waren verbrieftes Recht. Locke anerkannte dieses kollektive Eigentumsrecht in Europa — weil ein Staat dahinterstand, der es schützte. Amerika erklärte er zum Naturzustand vor dem Staat, weil er den Indigenen keine Staatlichkeit im eigenen Sinne zuerkannte. Also kein Staat, also kein schützenswertes Eigentum, also freies Land. Auf beiden Seiten des Atlantiks wirtschafteten Menschen gemeinschaftlich über ihr Land. Was fehlte, war nicht die Nutzung. Was fehlte, war der Staat, den Locke anerkannte. Das ist der Doppelstandard.

Und hier ist der Punkt, der mehr verstört als jede Heuchelei: Locke verbarg ihn nicht. Er wandte ihn offen an; für ihn war es keiner. Dass dieselbe Logik, die den König entmachtete, den Lenape das Land nahm, war für ihn keine versteckte Seite, sondern gar keine Frage. Landnahme galt zu seiner Zeit nicht als Unrecht, sie war das normale Geschäft der Macht: Die Irokesen führten, wie wir sahen, ihre Biberkriege, Ludwig XIV. schob seine Grenze an den Rhein, die Osmanen standen vor Wien. Niemand fragte, ob man dürfe, nur, ob man könne. Auch dass Locke Anteilseigner der Royal African Company war, die Sklaven über den Atlantik verschiffte, war in dieser Welt kein Widerspruch zu seiner Freiheitslehre. Sie sah darin nichts Verwerfliches.

Das Bemerkenswerte ist nicht die Absicht, sondern die Sprache. Locke lieferte keine Conquista-Rhetorik, kein „wir bringen den Heiden das Licht”, sondern eine weltliche, vernünftige Begründung, die ohne Gott auskam und trotzdem dasselbe Ergebnis hervorbrachte. Wo die alte Rechtfertigung den Papst und Gott bemüht hatte, genügte nun die Vernunft. Das Land blieb genommen, nur die Begründung war neu.

Und hier, nicht erst beim Zaun, trennt sich der angloamerikanische Weg vom kontinentalen. Auf dem Kontinent kam das Eigentum vom Staat, von oben verliehen und notfalls wieder genommen. Locke drehte es um: Eigentum entsteht von unten, aus der Arbeit des Einzelnen, vor dem Staat und gegen ihn. Das war die Wurzel der amerikanischen Freiheit. Und es war dieselbe Wurzel, aus der die Landnahme wuchs. Wer sein Recht aus eigener Arbeit ableitet, braucht keinen König, der es ihm gibt, und duldet keinen, der ihn aufhält, auch keinen Lenape.

Aufklärung ist kein Zustand, sondern ein Vorgang. Wer mittendrin steht, sieht nur, was der nächste Schritt erhellt. Locke leuchtete so weit er konnte, einen Schritt weiter als die Papstbulle, und dahinter lag ein Dunkel, das zu seiner Zeit niemand als Dunkel erkannte.

Die Entdeckungsdoktrin

Über der einzelnen Urkunde stand eine größere Rechtskonstruktion, und sie war uralt. Schon im fünfzehnten Jahrhundert hatten Papstbullen den christlichen Mächten erlaubt, „entdecktes” Land Nichtchristlicher in Besitz zu nehmen: Dum diversas 1452, Inter caetera 1493.

Inter caetera document of 4 May 1493, Archivo General de Simancas, Public Domain
Inter caetera Dokument vom 4. Mai 1493 im Archivo General de Simancas, Public Domain

Aus dieser Doctrine of Discovery, der Entdeckungsdoktrin, wurde, lange nach der Reformation, amerikanisches Recht. 1823 schrieb der oberste Richter John Marshall in Johnson gegen M’Intosh fest, dass die Entdeckung dem entdeckenden Staat den Eigentumstitel gebe; den Ureinwohnern bleibe nur ein „Recht auf Bewohnung”, das der Staat jederzeit auslöschen könne. Aus der Bulle war ein Paragraf geworden.

Portrait of Chief Justice John Marshall (Steel engraving with signature, Public Domain)
Portrait of Chief Justice John Marshall (Steel engraving with signature, Public Domain)

Das ist der Kern dessen, was man heute settler colonialism nennt, Siedlerkolonialismus, und er unterscheidet das angloamerikanische Muster von den anderen. Der spanische Konquistador wollte die Eingeborenen als Arbeitskraft und als Seelen, der französische Pelzhändler wollte sie als Partner und Jäger; beide brauchten sie lebend und am Ort. Der englische Siedler wollte das Land. Wer das Land will, braucht die Menschen nicht, er braucht sie weg. Genau die Dynamik von unten, die freie, hungrige, sich selbst ausbreitende Siedlergesellschaft, die diese Reihe gelobt hat, war auch der unerbittlichste Motor der Verdrängung.

Und diese Dynamik kam aus der Wiege. Die Siedler bekamen Kinder wie kaum ein Volk zuvor; Land war billig, geheiratet wurde früh, und Benjamin Franklin rechnete vor, dass sich ihre Zahl etwa alle fünfundzwanzig Jahre verdoppelte, von einer Million um 1750 auf zweieinhalb bis 1775. Jedes dieser Kinder brauchte eine Farm, und, was leicht übersehen wird, jedes durfte gehen, um eine zu suchen. Das war keine Selbstverständlichkeit. Es war die Zeit, in der Europa noch Leibeigene kannte. Der Bauer in Sachsen, Böhmen oder Brandenburg war an die Scholle gebunden und durfte seinen Herrn nicht einmal verlassen, von eigenem Land ganz zu schweigen; in Russland hielt die Leibeigenschaft bis 1861. Bewegungsfreiheit war die Voraussetzung des Siedlerdrucks, und auf dem Kontinent fehlte sie. Dieselbe persönliche Freiheit, die den amerikanischen Siedler zur Landnahme trieb, hatte der europäische Bauer schlicht nicht. Nicht ein Kolonialminister in London trieb die Grenze nach Westen, sondern Millionen Familien, die ihre Söhne unterbringen mussten. Und es war nicht einmal das große Geschäft, das man sich vorstellt. William Penn starb verschuldet, die Eigentümer-Kolonien warfen oft Verlust ab, und Wirtschaftshistoriker streiten bis heute, ob das Empire dem britischen Steuerzahler unterm Strich überhaupt etwas einbrachte. Der Hunger nach Land war kein Plan von oben. Er war die Summe unzähliger Hunger von unten.

Und es gab nicht einmal einen Plan. Das ist das Verstörendste an der Geschichte: Der Siedler wartete nicht auf den Juristen. Er fällte die Bäume, baute eine Hütte, nannte das Land sein, und das Recht kam hinterher und machte gültig, was längst geschehen war. Es gibt sogar ein Wort dafür, squatting, die Landbesetzung, die man nachträglich legalisierte; der Preemption Act von 1830 gab denen, die schon auf Staatsland saßen, das Vorkaufsrecht. Weder der Siedler noch der Jurist brauchte den anderen. Beide zusammen, ohne Absprache, ergaben die Verdrängung.

Was bleibt

Penn war fair, Weiser geliebt, Locke ein Freund der Freiheit, und am Ende war das Land genommen. Es bedurfte keiner Bösewichte und nicht einmal eines Plans. Das ist der bewusste Doppelstandard: kein böser Wille, sondern eine Maschine ohne Mechaniker. Was schwerer wiegt, die Freiheit, die daraus wuchs, oder der Preis, den andere dafür zahlten, mag jeder Leser für sich entscheiden.

Heute ringt Amerika noch mit dem Erbe, in den land acknowledgments und im Widerruf der Entdeckungsdoktrin durch den Vatikan 2023. Aber das ist Nachspiel. Solange man behaupten konnte, die Ureinwohner nutzten das Land nicht, berief man sich auf Locke. Als die Cherokee das Argument schlugen, Plantagen bauten, eine Verfassung schrieben und vor dem Obersten Gericht gewannen, ließ man die Philosophie fallen und nahm die Bajonette. Der Pfad der Tränen und die Büffel sind eine andere, dunklere Folge.

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Quellen und Belege

Primärquellen – John Locke, Two Treatises of Government (1689), Zweite Abhandlung, Kap. 5 „Of Property” — „in the beginning all the world was America” (§49) – The Treaty held with the Indians of the Six Nations, at Philadelphia, in July, 1742 — Canassatego: „You are women … remove immediately” – Johnson v. M’Intosh (1823), Oberster Gerichtshof der USA (Marshall) — „right of occupancy” – Päpstliche Bullen Dum diversas (1452), Romanus Pontifex (1455), Inter caetera (1493); dagegen Sublimis Deus (1537)

Sekundärliteratur und Belege – Zum Walking Purchase (1737): Thomas und John Penn mit James Logan; der unsignierte Urkunden-Entwurf von 1686; die Läufer (Edward Marshall u. a.); rund 1.200 Quadratmeilen Lenape-Land – Zu Penns Vertrag von Shackamaxon (1682) und Voltaires Bonmot – Zu Conrad Weiser: der irokesische Name Tarachiawagon („der die Himmel hält”); die Trauer der Irokesen nach seinem Tod 1760 – Zu Lockes Rolle: Barbara Arneil, John Locke and America (OUP 1996) — Nachweis, dass das Eigentumskapitel parallel zur Verwaltungsarbeit als Sekretär der Lords Proprietors of Carolina entstand; kein überlieferter Briefwechsel, in dem Locke die Folgen seiner Theorie für die Ureinwohner erörtert (die Frage stellte sich seiner Zeit nicht) – David Armitage, „John Locke, Carolina, and the Two Treatises of Government” (Political Theory 32/5, 2004) — Lockes Kenntnis der Carolina-Kolonie war umfangreicher und dauerhafter als frühere Kommentatoren annahmen; identifiziert den kolonialen Verwaltungskontext als direkten Entstehungshintergrund von Kap. V – John Douglas Bishop, „Locke’s Theory of Original Appropriation and the Right of Settlement in Iroquois Territory” (Canadian Journal of Philosophy 27/3, 1997) — wendet Lockes eigene Kriterien (Arbeit, Verbesserung, Anbau) konsistent auf die Irokesen an und kommt zum Schluss, dass sie die Bedingungen für Eigentumsrechte erfüllten; der Ausschluss war selektive Theorieanwendung – Zu Lockes Verstrickung: Anteile der Royal African Company (ca. 1672–1675) – Zum vacuum domicilium: John Winthrop und die puritanische Landnahme in Neuengland – Zur Doctrine of Discovery und ihrer Aufnahme ins US-Recht (Johnson v. M’Intosh, 1823); Widerruf durch den Vatikan (30. März 2023) – Zum Begriff settler colonialism (Ersetzen statt Ausbeuten) im Unterschied zur spanischen und französischen Kolonisation – Zur indianischen Kriegführung: die Biberkriege des 17. Jahrhunderts (Irokesen gegen Huronen, Erie, Susquehannock u. a. um Pelzhandel und Jagdgründe); „mourning wars” sowie Adoption und rituelle Folter von Gefangenen; Lawrence Keeley, War Before Civilization: The Myth of the Peaceful Savage (OUP 1996) — rund 90–95 % aller bekannten vormodernen Gesellschaften kannten Krieg, prähistorische Kriegsführung war in Relation zur Bevölkerung tödlicher als moderne; Richard J. Chacon / Rubén G. Mendoza (Hg.), North American Indigenous Warfare and Ritual Violence (University of Arizona Press 2007) — osteologische und ethnohistorische Belege für vorkoloniale indigene Gewalt – Zur Siedler-Demografie: Benjamin Franklin, Observations Concerning the Increase of Mankind (1751) — Verdopplung etwa alle 25 Jahre (rund 1 Mio. 1750, ~2,5 Mio. 1775); früher Heiratsalter, billiges Land – Zum Kontrast der Bewegungsfreiheit: Leibeigenschaft/Gutsuntertänigkeit in Mittel- und Osteuropa im 18. Jahrhundert (Bindung an die Scholle, kein Recht zum Verlassen des Herrn); Aufhebung in Russland erst 1861 (sowie Preußen ab 1807, Habsburg 1781/1848) – Zur umstrittenen Rentabilität des Empire: Lance Davis / Robert Huttenback, Mammon and the Pursuit of Empire (1986) — das Empire oft eher Nettokosten für den britischen Steuerzahler; William Penn starb verschuldet, viele Eigentümer-Kolonien waren Verlustgeschäfte – Zum Vorlauf des Rechts hinter der Tat: squatting (Landbesetzung) und ihre nachträgliche Legalisierung, u. a. durch den Preemption Act (ab 1830) — Vorkaufsrecht für Siedler, die bereits auf Bundesland saßen – Ausblick: Indian Removal Act (1830), Worcester v. Georgia (1832), „Trail of Tears” (1838/39) — Stoff einer späteren Folge

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