Die Lage
Im Februar 1763 war Europa erschöpft. Sieben Jahre lang hatte ein Krieg getobt, den Winston Churchill viel später den ersten Weltkrieg ne
nnen sollte, und so falsch das Etikett ist, so richtig ist der Instinkt dahinter: Der Siebenjährige Krieg wurde auf vier Kontinenten und allen Weltmeeren ausgefochten. Im Kern ging es um zweierlei. In Deutschland rangen Preußen und Österreich um die reiche Provinz Schlesien. In der weiten Welt rangen Frankreich und Großbritannien um alles Übrige, um Nordamerika, Indien, die Meere.
Am Ende stand eine neue Ordnung. Großbritannien hatte global gewonnen, Frankreich aus Nordamerika und Indien verdrängt und war zur ersten Macht der Erde geworden. Und ein Emporkömmling hatte sich behauptet: Friedrich II. von Preußen, gegen drei Großmächte zugleich, hielt Schlesien und machte Preußen zur fünften europäischen Großmacht. Aus dem Überleben wurde ein Mythos, der Mythos Friedrichs des Großen, des Soldatenkönigs und Feldherrn, der Deutschland bis weit ins zwanzigste Jahrhundert prägen sollte.

Diese fünf, Großbritannien, Frankreich, Österreich, Russland und nun Preußen, sollten Europa für ein Jahrhundert beherrschen; man nennt sie die Pentarchie. Nur noch fünf, und das war neu: Die alte Supermacht Spanien, im sechzehnten Jahrhundert noch das Reich, in dem die Sonne nicht unterging, war von endlosen Kriegen ausgezehrt und um ihr amerikanisches Imperium gebracht, aus dem Kreis der Entscheidenden gefallen wie auch die Niederlande, Schweden und das von seinen Nachbarn aufgeteilte Polen; übrig blieben fünf, und Preußen war erst neu dazugekommen. Napoleon warf das Brett noch einmal um, doch der Wiener Kongress baute es 1815 wieder auf: dieselben fünf Mächte, ein „Europäisches Konzert”, von Metternich so gestimmt, dass es jede Regung von Nation und Freiheit von oben niederhielt. Das war die Ordnung, die 1848 noch stand, und genau die Ordnung, gegen die sich die Revolution dann erhob.
In Nordamerika trug derselbe Krieg einen anderen Namen, French and Indian War, und er spielte in genau der Welt, aus der diese Reihe erwachsen ist, dem Pennsylvania Conrad Weisers. Ein junger Offizier namens George Washington kämpfte darin für die britische Krone. Die Indianer kämpften dabei auf beiden Seiten, je nach eigenem Kalkül: die Irokesen meist mit den Briten, viele Völker des Ohio-Tals mit den Franzosen, darunter die in Folge 12 vertriebenen Lenape, die nun gegen Pennsylvania zu den Waffen griffen. Was sie nach 1763 verloren, war darum nicht einfach ein Verbündeter, sondern das Gleichgewicht. Solange zwei Großmächte um den Kontinent rangen, ließ sich die eine gegen die andere ausspielen; als Frankreich verschwand, war dieser Hebel weg, und die Verdrängung, von der Folge 12 erzählte, nahm Fahrt auf.
Und der Krieg hatte ein Nachspiel, das selten erzählt wird. 1763, kaum war er vorbei, zog die britische Krone eine Linie. Mit der Königlichen Proklamation verbot sie ihren eigenen Siedlern, sich westlich der Appalachen niederzulassen; das Land jenseits des Gebirges sollte den Indianern vorbehalten bleiben. London hatte dafür durchaus ehrenwerte Gründe.

Östliches Nordamerika im Jahre 1770 mit der Proklamationslinie nach der Königlichen Proklamation von 1763 (gelb) und nach dem Vertrag von Fort Stanwix 1768 (orange)
Der Friede mit den Indianern war billiger als ein neuer Krieg, und einen solchen führte die Krone gerade, den Aufstand des Ottawa-Häuptlings Pontiac. Aber es gab auch einen kühleren Grund. Solange die Kolonisten an der Küste blieben, ließen sie sich regieren und besteuern; im weiten Westen wären sie dem Zugriff der Krone entglitten. Die Linie sollte die Indianer schützen und die Siedler beisammenhalten, beides zugleich.
Die Siedler sahen vor allem das Zweite. Sie waren ein Volk mit Landhunger, wie Folge 12 zeigte, und nun stellte sich ausgerechnet das ferne Empire ihnen in den Weg. Die Proklamationslinie wurde, neben den Steuern, zu einem der Gründe, warum man sich am Ende gegen die Krone erhob. Darin liegt eine bittere Ironie. Die eine Macht, die sich einen Augenblick lang zwischen die Siedler und das Indianerland stellte, war der Befehl von oben, das Empire. Und die Siedler warfen ihn ab, auch um an das Land zu kommen.
Und es war nicht nur der kleine Siedler mit seiner Axt. Auch die Großen der späteren Revolution hatten handfeste Interessen. Washington, der junge Offizier von eben, war nicht allein Pflanzer und Sklavenhalter; er war einer der größten Landspekulanten der Kolonien. Aus seinem Kriegsdienst hatte er Anspruch auf Ländereien im Westen, jenseits der Berge, und er ließ sie sich sichern, Proklamation hin oder her; die Linie nannte er privat eine bloße Notlösung, um die Indianer ruhigzustellen. Er war kein Einzelfall. Ein guter Teil der Gründerelite saß in Landgesellschaften, die auf genau das Gebiet spekulierten, das die Krone gesperrt hatte. Die Freiheit, für die man bald zu den Waffen griff, war auch die Freiheit, sich dieses Land zu nehmen.
Das Verstörende an diesem Krieg sind aber nicht die Schlachten, sondern die Rechnungen. Beide Sieger gingen verschuldet aus ihm hervor. Um die Schulden zu tilgen, besteuerte London seine amerikanischen Kolonien, und aus dem Widerstand dagegen wurde 1776. Frankreich, das den Krieg verloren und sich an Amerikas Unabhängigkeit dann noch einmal verausgabt hatte, glitt in den Staatsbankrott, und daraus wurde 1789. Zwei Revolutionen, denen diese Reihe schon gefolgt ist, zwei Zündschnüre, gelegt von einem Krieg. Aber es gab eine dritte, und sie brannte am langsamsten. Sie hieß Preußen, und sie führte zu der Frage, wer einmal Deutschland führen würde, Berlin oder Wien. Diese Schnur brannte ein Jahrhundert. Ihr folgt diese Folge.
Die Revolution, die scheiterte
Einen Augenblick lang sah es so aus, als nähme Deutschland den anderen Weg, den von unten. 1848 ging eine Welle von Revolutionen über Europa, und in Deutschland trat zum ersten Mal etwas zusammen, das es so nie gegeben hatte: ein frei gewähltes Parlament, die Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche, das eine Verfassung schreiben und die Nation von unten einigen sollte, durch Beratung statt durch Befehl. Professoren, Juristen, Bürger. Der liberale Traum, einmal greifbar.

Warum versagte er? Nicht nur an den Bajonetten. Die Männer der Paulskirche, Professoren und Juristen, debattierten monatelang über Grundrechte und Verfassungsartikel, während die alten Mächte ihre Heere neu ordneten und die Verblüffung des Frühjahrs verflog. Viele der bürgerlichen Liberalen fürchteten am Ende die radikale Straße, den Pöbel, die Republik, mehr als den Thron und suchten lieber den Kompromiss mit den Königen als den Bruch. Dazu war die Bewegung gespalten: die einen wollten eine konstitutionelle Monarchie, die anderen eine Republik. Während sie stritten, kam der Herbst, und mit ihm kehrte das Militär zurück.
Das Ende kam mit einer einzigen Geste. Im April 1849 bot die Versammlung dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone an. Er lehnte ab. Eine Krone aus der Hand eines gewählten Parlaments, aus der Hand des Volkes, werde er nicht aufheben; sie sei, sagte er sinngemäß, eine Krone „aus der Gosse”. Annehmen werde er sie allein von Gottes Gnaden und aus der Hand seiner Mitfürsten, nicht von der Straße. Es war die Logik von Folge 13 in einem Satz: Recht und Macht kommen von oben, nicht von unten. Das Parlament hatte keine Armee. Die Könige hatten welche. Die Revolution brach zusammen.
Der englische Historiker A. J. P. Taylor hat das in einen Satz gefasst, der seither über 1848 steht: „Die deutsche Geschichte erreichte ihren Wendepunkt und bog nicht ab.” Der Weg von unten war versucht und verschlossen. Was an seine Stelle trat, kam von oben.
Die Achtundvierziger
Die Besiegten von 1848 verschwanden nicht. Tausende flohen, erst in die Schweiz, die ihr junges Asylrecht gegen den geballten Druck Preußens und Österreichs verteidigte, dann weiter nach England und vor allem nach Amerika. Dort nannte man sie die Forty-Eighters, die Achtundvierziger, und sie kamen nicht als gebrochene Männer, sondern als überzeugte Demokraten mit einem zweiten Versuch im Gepäck.
Was ihnen in Deutschland misslungen war, die Sache der Freiheit von unten, nahmen sie in der neuen Welt wieder auf, und diesmal an der entscheidenden Front. Die Sklaverei hassten sie aus denselben Prinzipien, aus denen sie die Fürsten gehasst hatten. Carl Schurz, einst Flüchtling aus dem badischen Aufstand, warb auf Deutsch für Abraham Lincoln, trieb ihm die deutschen Wähler zu und wurde später Unionsgeneral, Senator und amerikanischer Innenminister. Um Franz Sigel, einen badischen Ex-Kriegsminister, ging in der Unionsarmee ein Schlachtruf um, halb deutsch, halb englisch: „I fights mit Sigel.” Über vierhunderttausend Deutschstämmige zogen für den Norden in den Krieg.
So schloss sich ein Kreis, den niemand geplant hatte. Die Revolution von unten, die in Deutschland an den Bajonetten der Fürsten zerschellt war, schickte ihre Männer über den Atlantik, wo sie halfen, eine andere Union von unten zu retten. Deutschlands Verlust war Amerikas Gewinn. Und damit sind wir in dem Jahrzehnt, in dem sich auf beiden Seiten des Ozeans alles entschied.
Das Scharnierjahrzehnt
Und nun das Lehrstück, denn in derselben Zeit wurden zwei große Nationen durch Krieg geschmiedet, nach genau entgegengesetzten Grundsätzen.
Die eine war Amerika. Von 1861 bis 1865 zerriss der Bürgerkrieg das Land, der blutigste Krieg seiner Geschichte, mehr als sechshunderttausend Tote, ausgetragen um die Frage, ob die Union halten würde, jene Union, die von unten entstanden war, aus dem Einverständnis der Bürger, und die nun an der Sklaverei zu zerbrechen drohte. Man male auch hier den Helden nicht zu hell.

Abraham Lincoln war ein Pragmatiker; ginge es nach ihm, schrieb er noch 1862, würde er die Union mit Sklaverei retten oder ohne, je nachdem, was sie rettete. Erst der Druck des Krieges und das Drängen schwarzer Abolitionisten wie Frederick Douglass machten ihn zum Befreier; und die Sklaven befreiten sich zu gutem Teil selbst, indem sie zu Hunderttausenden den Plantagen entliefen und fast zweihunderttausend in blauer Uniform mitkämpften. Doch der Satz, den Lincoln 1863 bei Gettysburg sprach, benannte den Einsatz so genau, dass er bis heute steht: eine Regierung „des Volkes, durch das Volk, für das Volk”. Die Union blieb erhalten, um einen furchtbaren Preis, aber auf dem Grundsatz der Zustimmung, und am Ende kostete der Krieg die Sklaverei das Leben.
Die andere war Deutschland, dieselben Jahre, ein anderer Mann. Otto von Bismarck, preußischer Ministerpräsident, trat 1862 vor das Parlament und sagte, die großen Fragen der Zeit würden nicht durch Reden und Mehrheitsbeschlüsse entschieden, das sei der Fehler von 1848 gewesen, sondern „durch Eisen und Blut“. Man zitiert ihn fast immer falsch, umgedreht, als „Blut und Eisen”; diese Reihenfolge gaben ihm erst die französische und englische Presse der siebziger Jahre, weil sie eingängiger klang. Bismarck sagte Eisen zuerst. Und er machte wahr, was er sagte: drei Kriege in acht Jahren. 1864 gegen Dänemark. 1866 gegen Österreich, die alte Rivalität aus dem Siebenjährigen Krieg, endlich entschieden, Preußen über Wien, um die Vorherrschaft in Deutschland. 1870 gegen Frankreich. Im Januar 1871 wurde im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Reich ausgerufen. Deutschland war geeint, nicht durch ein Parlament von unten, sondern durch einen Kanzler und eine Armee von oben.

Und dann gab es noch einen dritten Fall, den stillsten, und er ist der Gegenentwurf zu beiden. Großbritannien führte in diesen Jahrzehnten weder Bürgerkrieg noch Einigungskrieg. Es erweiterte das Wahlrecht, von unten, Schritt für Schritt, durch Gesetz: die Reform Acts von 1832 und 1867. Der Kreis der Wähler wuchs, der Staat gab nach, ohne dass ein Schuss fiel. Drei Nationen, drei Wege. Amerika blutete, um seine Union der Zustimmung zu retten. Britannien reformierte sich in Etappen. Deutschland wurde von oben geschmiedet, mit Eisen.
Der Obrigkeitsstaat
Das Reich, das Bismarck baute, war ein Wunder und eine Warnung zugleich. Es war der dynamischste Staat Europas, mit der Industrie, den Universitäten und der Sozialversicherung, von denen Folge 13 erzählte. Aber seine Verfassung stellte den Kaiser, den Kanzler und die Armee über das Parlament. Der Reichstag durfte reden und das Budget bewilligen, doch die Regierung war ihm nicht verantwortlich, sondern allein der Krone. Der Deutsche war ein Untertan, der gehorchte, kein Bürger, der regierte. Die Einigung war von oben gekommen, und der Staat blieb oben.
Dazu passte der Held. Der Friedrich der Große des Siebenjährigen Krieges, der Soldatenkönig, wurde zur nationalen Ikone, verehrt bis weit ins zwanzigste Jahrhundert. Der Staat von oben hatte seinen Mythos, und sein Mythos war ein Krieger.
Hier ist Vorsicht geboten, und gleich in zwei Richtungen. Es ist verführerisch, eine gerade Linie von 1871 über 1914 bis 1933 zu ziehen, als sei Deutschland durch einen „Sonderweg” zum Unheil verdammt gewesen. Historiker wie Christopher Clark und Thomas Nipperdey haben gegen diese Geradlinigkeit gewarnt, und sie haben recht: Nationen sind nicht zu ihrem Schicksal verurteilt. Und man sollte den Nationalismus von 1848 nicht zum Sündenbock machen. Nationalisten waren damals alle, von Paris bis Warschau, und der Nationalismus war nicht bloß Aggressionstrieb. Mit der Nation wurde der Bürger geboren, der vor dem Gesetz Gleiche, an die Stelle des Untertanen und des adligen Privilegs. Auch die Männer der Paulskirche dachten national, stritten um Posen und Schleswig; das unterschied sie nicht von ihren Nachbarn.
Was Deutschland unterschied, war nicht, dass es eine Nation wurde, sondern wie. Es bekam die Nation ohne die Kontrolle von unten. Und darin liegt der Satz, der sich verantworten lässt. Ein starkes Parlament macht jeden Krieg schwerer; es muss zustimmen, es muss zahlen, es kann nein sagen. Ein Kaiser dagegen, dem die Armee und die Außenpolitik allein gehören, kann ein Volk in den Krieg führen, ehe das Parlament auch nur gefragt ist. Genau so kam es 1914: Über Krieg und Frieden entschieden der Kaiser, die Generäle und der Kanzler, nicht der Reichstag, der hinterher nur noch die Kredite bewilligen durfte. Die Einigung von oben hatte den Hebel des Krieges aus der Hand des Volkes genommen und in die der Krone gelegt.
Der Weg war damit nicht vorbestimmt. Aber er war offen, und er blieb offen. Eine Nation, die zum Gehorsam erzogen war und deren Armee über dem Parlament stand, war gegen die Katastrophe schlechter gewappnet als eine, die auf Zustimmung gebaut war. Die Katastrophe, die 1933 begann, ist ohne den Obrigkeitsstaat des Kaiserreichs, ohne seine eingeübte Gewohnheit des Gehorsams, kaum zu denken. Wohin der Weg führte, durch zwei Weltkriege, ist das dunkelste Kapitel, und es ist keines, das man als Schicksal erzählen darf.
Was bleibt
Man muss auch hier beide Bilanzen offen hinlegen. Von oben bekam Deutschland die Einheit, die Macht und den modernsten Staat des Kontinents, und das schneller, als ein Parlament es je zustande gebracht hätte. Wo die Zustimmung von unten gescheitert war, lieferte der Befehl von oben das Ergebnis. Der Preis stand auf der anderen Seite der Rechnung: der Bürger als Untertan, die Armee als Herrin, die Gewohnheit des Gehorsams, die ein späteres Regime so furchtbar ausnutzen sollte.
Eines noch, als Ausblick. Das junge Reich wurde rasch zur stärksten Industrie- und Wissenschaftsmacht Europas. Es rang mit Britannien um die Meere und trug die alte Feindschaft mit Frankreich in sich, eine Rechnung, die weit zurückreichte. Wohin dieser Weg führte, bis an den Abgrund von 1914, und wie weit man überhaupt zurückgehen muss, um den tiefen Riss zwischen Staat und Individuum zu verstehen, um den es dieser Reihe von Anfang an ging, das ist die letzte Folge.
Quellen und Belege
Die wichtigsten Namen, Kriege und Ereignisse sind im Text direkt verlinkt. Hier nur, was sich nicht verlinken lässt:
- Zum geflügelten Wort über 1848: A. J. P. Taylor, The Course of German History (1945) — „German history reached its turning-point and failed to turn.”
- Zu Bismarcks Rede vom 30. September 1862 vor der Budgetkommission: im Original „nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse … sondern durch Eisen und Blut”; die geläufige Umkehrung „Blut und Eisen” stammt aus der späteren (v. a. französischen und englischen) Rezeption.
- Zur abgelehnten Kaiserkrone: Friedrich Wilhelm IV. lehnte am 3. April 1849 die ihm von der Frankfurter Nationalversammlung angetragene Krone ab (Berufung auf das Gottesgnadentum, nicht auf die Volkssouveränität); die Wendung von der Krone „aus der Gosse” ist die ihm zugeschriebene Zusammenfassung dieser Haltung.
- Zu den Achtundvierzigern (Forty-Eighters): Carl Schurz (später Unionsgeneral, US-Senator, Innenminister), Franz Sigel u. a.; Mobilisierung der deutsch-amerikanischen Wähler für Lincoln 1860, über 400.000 Deutschstämmige in der Unionsarmee; Schlachtruf „I fights mit Sigel”.
- Zum Nationalismus der Paulskirche: das Vorparlament erklärte im März 1848 die Wiederherstellung Polens zur Pflicht; am 27. Juli 1848 stimmte die Nationalversammlung mit 342:31 für die Teilung/Einverleibung Posens; Wilhelm Jordans Rede vom „gesunden Nationalegoismus”; dazu die Schleswig-Holstein-Frage gegen Dänemark.
- Zur Sonderwegs-Debatte: pro (Hans-Ulrich Wehler, A. J. P. Taylor) gegen kontra (Christopher Clark, Thomas Nipperdey, Heinrich August Winkler) — gegen einen historischen Determinismus von 1848 zu den Weltkriegen.
- Zur Entmythologisierung Lincolns: sein Brief an Horace Greeley (22. August 1862, „If I could save the Union without freeing any slave I would do it …“); die Selbstbefreiung der Versklavten (Massenflucht zu den Unionslinien, fast 200.000 schwarze Soldaten der USCT) und das Drängen schwarzer Abolitionisten wie Frederick Douglass; vgl. die Doku-Serie Lincoln’s Dilemma (Apple TV+, 2022)
- Zur Kriegsentscheidung von 1914: Außen- und Militärpolitik lagen im Kaiserreich beim Kaiser, der Obersten Heeresleitung und dem Reichskanzler; der Reichstag bewilligte erst nachträglich die Kriegskredite (Burgfrieden, 4. August 1914).
- Zum Siebenjährigen Krieg als „erster Weltkrieg”: die Zuschreibung geht auf Winston Churchill (A History of the English-Speaking Peoples) zurück; in der Forschung umstritten, treffender wäre „europäischer Weltkrieg”.
- Zur Pentarchie und zum Wiener Kongress (1814/15): die fünf Großmächte und das „Europäische Konzert”; Metternichs Restauration und die Unterdrückung von Liberalismus und Nationalismus (u. a. Karlsbader Beschlüsse 1819) bis 1848
- Daten: Siebenjähriger Krieg 1756–1763 (Frieden von Paris und Hubertusburg 1763); erste Teilung Polens 1772; US-Bürgerkrieg 1861–1865, Gettysburg 1863; preußische Einigungskriege 1864/1866/1870–71, Reichsgründung im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871; britische Reform Acts 1832 und 1867.
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