Die Religion von unten
Im Spätsommer 1742 ging in Philadelphia ein zweiunddreißigjähriger Pfarrer von Bord, der kaum Englisch sprach und fast niemanden kannte. Heinrich Melchior Mühlenberg kam aus Halle, geschickt von den Franckeschen Stiftungen, um nach den deutschen Lutheranern Pennsylvanias zu sehen. Was er vorfand, hätte ein europäischer Kirchenmann für ein heilloses Durcheinander gehalten. In Wahrheit war es eine christlich-religiöse Ursuppe, und aus ihr wuchs etwas, das Europa nicht kannte: Freiheit.

Denn was hier fehlte, war nicht der Glaube, sondern der Apparat. Kein Bischof, kein Konsistorium, kein Fürst, der von oben die Konfession verordnete, und keine Steuer, die den Pfarrer bezahlte. In Europa kam die Kirche mit dem Staat; hier gab es keinen. Das hatte seinen Preis: Wo niemand die Aufsicht führte, konnte sich auch mancher Hochstapler einen Talar umhängen und ein entlaufener Schulmeister den Prediger geben. Aber es hatte vor allem eine Folge, die Europa so nicht kannte. Wer hier eine Kirche wollte, musste sie selbst bauen, Gemeinde für Gemeinde, und die Leute vor Ort taten es: Sie riefen ihren Pfarrer selbst und bezahlten ihn freiwillig. Und wer zahlt, redet mit. Wie entsteht eine Kirche, wenn kein Staat sie macht, sondern die Gläubigen selbst?
Penns heiliges Experiment
Um diese Ursuppe zu verstehen, muss man wissen, wohin Mühlenberg geraten war. Pennsylvania war ein Experiment, und sein Erfinder hatte es selbst so genannt: ein „heiliges Experiment”. William Penn, ein Quäker, hatte die Kolonie 1681 als Zuflucht für die Verfolgten gegründet und etwas hineingeschrieben, das es in Europa nirgends gab. Niemand sollte wegen seines Glaubens behelligt werden.

Was daraus wurde, war der bunteste religiöse Flickenteppich der westlichen Welt. Quäker und Lutheraner, deutsche Reformierte und Presbyterianer, Mennoniten und Amische, die Mährischen Brüder in Bethlehem, Schwenkfelder und Dunker, dazu Katholiken und ein paar Juden, in einem Maß geduldet, das anderswo undenkbar war. Keine dieser Gruppen war groß genug, sich zur Staatskirche aufzuschwingen. Die Religionsfreiheit Pennsylvanias war nicht zuerst eine Idee der Philosophen. Sie war eine praktische Notwendigkeit, von unten erzwungen. Wo zwanzig Sekten Tür an Tür wohnen, muss man einander dulden, oder es gibt Krieg. Aus der Vielfalt wurde die Freiheit, nicht umgekehrt.
Nicht jeder fand das schön. Benjamin Franklin, sonst ein toleranter Mann, sah die deutschen Einwanderer mit Unbehagen; 1751 fragte er, warum die „pfälzischen Bauerntölpel” in solchen Scharen kämen, dass sie Pennsylvania „germanisieren” würden, statt sich von den Engländern anglisieren zu lassen. Merken Sie sich diese Sorge. Wir kommen darauf zurück.
In dieser religiösen Landschaft gab es viel Bewegung. Um 1740 fegte die erste große Erweckungsbewegung, das Great Awakening, durch die Kolonien; Wanderprediger zogen über Land, und neue, glühende Bewegungen wie die Baptisten und die jungen Methodisten liefen den alten, steifen Kirchen den Rang ab. Religion war hier nicht nur frei, sie war ein Wettbewerb, den man verlieren konnte. Sogar die Gründer bekamen das zu spüren. 1756 gaben die Quäker, denen Pennsylvania gehörte, ihre Mehrheit in der Versammlung auf, weil sie als Pazifisten den Siebenjährigen Krieg nicht mitfinanzieren wollten. Wer keine Waffe trägt, verliert irgendwann die Macht an die, die es tun, ein Vorausschein dessen, was die nächste Folge erzählt.
Ecclesia plantanda
In dieses Gewimmel setzte Mühlenberg sein Lebensmotto: Ecclesia plantanda, die Kirche muss gepflanzt werden. Pflanzen, nicht verpflanzen. Er begriff früh, dass er keine Kopie der deutschen Landeskirche errichten konnte und durfte. Es musste eine amerikanische Kirche werden, eine, die ohne den Arm des Staates auf eigenen Beinen stand.
Also baute er sie, wie man in Amerika alles baute, von unten. Er reiste ohne Unterlass, schlichtete Streit, entlarvte die falschen Prediger, gab den Gemeinden Ordnungen, die sie selbst trugen. 1748 rief er in Philadelphia das Ministerium von Pennsylvania zusammen, die erste lutherische Synode Amerikas. Ihre Zusammensetzung sagt alles: sechs Pfarrer und vierundzwanzig Laien, gewählte Vertreter der Gemeinden. In Deutschland hätte über die Kirche eine Behörde entschieden. Hier saßen die Bauern und Handwerker mit am Tisch, die das Ganze bezahlten. Eine Kirche als Verein ihrer Mitglieder, eine Synode aus gewählten Vertretern, Geistliche und Laien gemeinsam, die sich selbst regierte. Gelebte Mitbestimmung in Philadelphia, fast vier Jahrzehnte bevor in derselben Stadt eine Verfassung geschrieben wurde.
Dieselbe Saat, der andere Boden
Hier schließt sich ein Kreis, der in Folge 8 begann. Mühlenberg war ein Kind Halles, jener pietistischen Schule, die in Preußen zum Werkzeug des Staates geworden war. Franckes Anstalten lieferten die disziplinierten Beamten und Offiziere des Königs. Dieselbe Frömmigkeit, dieselbe Saat. In Preußen fiel sie auf den Boden des Staates und wurde eingespannt. In Pennsylvania fiel sie auf einen Boden ohne Staat und wurde frei.
In Deutschland war die Kirche eine Sache des Fürsten, der zugleich ihr oberster Bischof war, der summus episcopus; der Glaube kam mit dem Land, von oben. In Amerika gab es keinen Fürsten, dem die Kirche gehörte, und keine Steuer, die sie trug. Wer eine Gemeinde wollte, musste die Nachbarn überzeugen, Geld sammeln, einen Pfarrer rufen und ihn bezahlen. Religion wurde freiwillig, oder sie war gar nicht. Und das Erstaunliche: Sie blühte gerade dadurch. Eine Kirche, die niemand erzwingt, muss werben, taugen, lebendig sein. Halle hatte den Samen geliefert; der amerikanische Boden bestimmte, was daraus wuchs.
Nicht nur die Pietisten
Mühlenberg war nur einer von vielen, und es wäre falsch, den Pietisten ein Monopol auf das Bauen von unten zuzuschreiben. Wer hinsieht, findet dasselbe überall, manches sogar früher.
Die schottisch-irischen Presbyterianer waren Mühlenberg voraus. Francis Makemie, ihr Patriarch, gründete schon 1706 in Philadelphia das erste Presbyterium, zwei Generationen vor dem lutherischen Ministerium. Schon ihr Name trägt das Prinzip in sich: Presbyterianer kommt vom griechischen presbyteros, dem „Älteren”. Diese Kirche wird nicht von Bischöfen von oben gelenkt, sondern von gewählten Ältesten, den Presbytern, aus der Mitte der Gemeinde.

Ihre Verfassung war von Haus aus eine Ordnung von unten: Presbyterien, Synoden, eine Selbstregierung in Stufen, die später Pate stand für den föderalen Bau der Republik. Und ihre Bildungswut war legendär. Aus dem Log College, der Blockhütten-Schule des William Tennent, wuchs das College von New Jersey, jenes Princeton, an dem in Folge 10 Witherspoon den jungen Madison lehrte.
Selbst die Anglikaner, die staatsnächste der Konfessionen, lernten von Halle. Ihr amerikanischer Name verrät das Gegenprinzip: Episkopale, vom griechischen episkopos, dem Bischof, dem Aufseher, also die Kirche von oben. Die beiden Namen sind die ganze Bruchlinie in zwei griechischen Wörtern: der Älteste gegen den Bischof, unten gegen oben. Und doch lernten auch sie. Ihre Gesellschaften zur Verbreitung christlichen Wissens und des Evangeliums, gegründet um 1700, bauten Armenschulen und schickten Missionare; ihr Schulwerk schöpfte ausdrücklich aus Franckes Vorbild, und die erste protestantische Indienmission war ein gemeinsames anglikanisch-lutherisches Unternehmen. Halle war kein Einzelfall, sondern ein Same, der weiterflog. Aus ihm kamen auch die Mährischen Brüder, die eifrigsten Missionare des Jahrhunderts, und über sie wurde sogar der junge John Wesley angesteckt, dessen Methodisten bald die ganze englischsprachige Welt von unten aufrührten.
Warum dann überall dasselbe? Nicht weil eine Konfession besonders fromm gewesen wäre, sondern weil der Boden allen denselben Zwang auferlegte. Wo keine Staatskirche herrschte, musste jede Gemeinschaft sich selbst tragen, werben, organisieren. Sogar die Kirche der Bischöfe bekam in den Kolonien keinen eigenen Bischof; auch sie musste sich behelfen wie alle.
Das Gegenbild liefert die katholische Kirche. An schierer Leistung übertraf sie alle: die Jesuiten in Neufrankreich, die Franziskaner-Missionen Neuspaniens, die Lehr- und Pflegeorden. Nur kam dieser Apparat mit dem Staat. Die spanische Krone finanzierte die Missionen, die Patres waren Evangelisten und Werkzeuge des Imperiums zugleich. In den britischen Kolonien dagegen, wo kein Staat half, blieb der Katholizismus eine kleine, oft verfolgte Minderheit. Dieselbe Kirche, die im katholischen Imperium Großes von oben schuf, kam von unten kaum vom Fleck. Auch das ist eine Antwort auf die Frage dieser Folge.
Der Mann in der Mitte
Mühlenberg stand nicht allein in dieser deutschen Welt, und er heiratete in ihr Zentrum hinein. 1745 nahm er Anna Maria zur Frau, die Tochter eines Mannes, der wie kaum ein anderer zwischen den Welten lebte: Conrad Weiser.
Weiser war als Junge unter die Mohawk gegangen, hatte ihre Sprache gelernt, ihre Diplomatie, ihre Art zu denken, und wurde zum wichtigsten Dolmetscher und Unterhändler zwischen der Kolonie Pennsylvania und der Irokesen-Liga, den Sechs Nationen. Wenn Engländer und Indianer verhandelten, stand ein Deutscher in der Mitte und übersetzte nicht nur Wörter, sondern zwei Weltbilder. Und weil Pennsylvania war, wie es war, durfte Weiser auch im Glauben wandern. Sechs Jahre lang lebte er im Kloster von Ephrata, der mystischen Siebenten-Tags-Gemeinschaft des Conrad Beissel, ehe er zur lutherischen Welt seines Schwiegersohns zurückfand. Ein Leben, das nur in dieser Kolonie möglich war.
Das Kloster, das zum Lazarett wurde
Mühlenberg ordnete das Luthertum; die übrigen Strömungen aber blieben, jede auf ihre Art, und keine war fremder als die in Ephrata. Conrad Weisers sechs Jahre dort waren keine Marotte am Rande. Beissels Kloster war der äußerste Rand dessen, was Pennsylvanias Freiheit zuließ: eine asketische, mystische, zölibatäre Gemeinschaft, die in weißen Kutten sang, wenig schlief und auf schmalen Holzbänken ruhte. In Europa hätte man so etwas verboten. Hier durfte es bestehen. Und ausgerechnet diese weltabgewandte Sekte leistete, als es darauf ankam, Großes.
Im Winter 1777, nach den Schlachten von Brandywine und Germantown, brauchte Washingtons Armee dringend Platz für ihre Verwundeten. Ephrata gab ihn. Die pazifistischen Brüder und Schwestern, die selbst keine Waffe anrührten, verwandelten ihr Kloster in ein Lazarett und pflegten rund zweihundertfünfzig kranke und verwundete Soldaten. Es kostete sie das Leben. Das Fleckfieber sprang von den Soldaten auf die Pflegenden über, mehrere Ordensleute starben daran, siebenundfünfzig Soldaten ebenso; die verseuchten Gebäude mussten später abgerissen werden. Die Gräber liegen bis heute auf dem Friedhof Mount Zion.
Eine bittere Pointe gehört dazu, und sie ist wahr. Das berühmteste Werk der Ephrata-Druckerei war der Märtyrerspiegel, das größte Buch des kolonialen Amerika, eine Geschichte der Täufer, die für ihre Gewaltlosigkeit gestorben waren. Im Krieg beschlagnahmten Soldaten die unverkauften Exemplare und schnitten die Seiten zu Patronenhülsen, bezahlt mit fast wertlosem Kontinental-Papiergeld. Die Blätter über die Märtyrer des Friedens wurden zu Munition. So nah lagen in dieser freien Welt die Heiligkeit und der Krieg beieinander.
Kanzel und Kongress
Aus der Ehe Mühlenbergs und der Enkelschaft Weisers kam die Generation, die Franklins Sorge beantwortete, gründlich und mit Ironie.
Mühlenbergs ältester Sohn, Peter, war Pfarrer in Woodstock in Virginia. Der Überlieferung nach, festgehalten von einem Großneffen in einer Biografie von 1849, predigte er im Januar 1776 über den Prediger Salomo: Alles habe seine Zeit, eine Zeit des Friedens und eine Zeit des Krieges, „und dies ist die Zeit des Krieges”. Dann, so die Erzählung, warf er den Talar ab und stand in der Uniform eines Obersten da. Ob es sich genau so zutrug, weiß niemand; die Szene ist hundert Jahre später aufgeschrieben worden. Doch Peter Mühlenberg führte tatsächlich ein Regiment in den Unabhängigkeitskrieg, wurde General und später Abgeordneter im Kongress. Der „fighting parson”, der kämpfende Pfarrer.
Sein Bruder Friedrich ging den anderen Weg, ebenfalls vom Predigtstuhl aus. Er wurde der erste Sprecher des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten und setzte als solcher seine Unterschrift unter die Verkündung der Bill of Rights. Der eine deutsche Pfarrerssohn führte Soldaten, der andere führte den Kongress.
Eine Episode rundet das ab und räumt zugleich mit einer zählebigen Legende auf. 1794 baten deutsche Einwanderer aus Virginia den Kongress, Bundesgesetze auch auf Deutsch zu drucken; der Antrag scheiterte knapp, mit zweiundvierzig zu einundvierzig Stimmen. Daraus wurde später der Mythos, das Deutsche habe um eine einzige Stimme die Amtssprache der Vereinigten Staaten verfehlt, und ausgerechnet der Deutschstämmige Mühlenberg habe sie verhindert. Beides ist falsch: Es ging nie um eine Amtssprache, sondern nur um Übersetzungen, und Mühlenberg enthielt sich der Stimme. Überliefert ist von ihm aber ein Satz, der alles sagt: Je schneller die Deutschen Amerikaner würden, desto besser.
So viel zur Germanisierung. Franklins Furcht, die Deutschen blieben ein fremder Block, ging gründlich daneben, und der Grund ist die Pointe dieser Folge. Das amerikanische „Wir” war kein Blut und keine Sprache. Es war ein Bekenntnis, zu Rechten, zu Selbstverwaltung, zu Glaubensfreiheit. Genau das, wovor die Deutschen, die Schotten-Iren, die Hugenotten geflohen waren, fanden sie hier; und genau deshalb konnten sie Amerikaner werden, ohne aufzuhören, Lutheraner oder Mennoniten zu sein. Ein Volk, das man durch ein Bekenntnis betritt, nicht durch Geburt.
Volle Kirchen, leere Bänke
Es lohnt der Blick herüber in unsere Zeit. Deutschland zieht bis heute eine Kirchensteuer ein, vom Staat verwaltet, und die Bänke leeren sich Jahr um Jahr. Amerika kennt keine Kirchensteuer und keine Staatskirche, und seine Kirchen sind voller als die irgendeiner anderen westlichen Nation. Und die Ursuppe von 1742 brodelt weiter: Die Amischen pflügen noch heute mit dem Pferd, jüdische Gemeinden blühen, und rund um Detroit, in Dearborn etwa, sind ganze Vororte muslimisch geprägt. Was in Pennsylvania begann, ist nie zu Ende gegangen. Die amerikanische Religion ist lebendig, fragmentiert, manchmal lärmend und oft aufgeschlossen für Erweckungsprediger und Geschäftemacher; die europäische ist geordnet und würdig, aber müde. Was davon das bessere Erbe ist, sieht jeder Leser anders, je nachdem, was er von Religion erwartet.
Eines aber steht fest: Die Kirche, die Mühlenberg pflanzte, war Amerikas Ordnung von unten, übersetzt in den Glauben. Doch wir haben bisher nur die helle Seite dieser Welt gesehen, die Siedler, die Gemeinden, die Brückenbauer. Es gab eine andere, die den Ureinwohnern das Land genommen hat. Das Doppelgesicht ist die nächste Folge.
Die Strömungen auf einen Blick
Die Begriffe geraten leicht durcheinander; „Episkopale”, „Presbyterianer”, „Dunker” benutzt heute kaum jemand im Alltag. Darum ein grober Wegweiser durch das Pennsylvania des 18. Jahrhunderts, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
| Strömung | Herkunft | Prägendes Merkmal |
| Lutheraner | Deutschland | Mühlenbergs Kirche; Gemeinden mit gewählter Synode (Ministerium von 1748) |
| Deutsch-Reformierte | Deutschland, Schweiz | calvinistisch, presbyterial organisiert |
| Presbyterianer | Schottland, Ulster | calvinistisch; geleitet von gewählten Ältesten (presbyteros), von unten |
| Episkopale (Anglikaner) | England | Staatskirche; geleitet von Bischöfen (episkopos), von oben |
| Quäker (Society of Friends) | England | kein Klerus, „inneres Licht”, pazifistisch; Gründer Pennsylvanias |
| Mennoniten | Täufer (Schweiz, Niederlande) | Erwachsenentaufe, Gewaltlosigkeit, einfaches Leben |
| Amische | Abspaltung der Mennoniten (1693) | strengste Absonderung von der Welt |
| Dunker (Brethren, Tunker) | radikale Täufer-Pietisten | Taufe durch dreifaches Untertauchen |
| Mährische Brüder (Herrnhuter) | Böhmen, Sachsen (Zinzendorf) | Gemeinschaftssiedlungen, Weltmission; Bethlehem |
| Ephrata-Kloster | radikaler Pietismus (Beissel) | asketische, zölibatäre Sabbat-Kommune |
| Katholiken | Rom | Hierarchie unter dem Papst; allein in Pennsylvania geduldet |
| Hugenotten | Frankreich | calvinistische Flüchtlinge, rasch assimiliert |
| Juden | sephardisch | wirtschaftliche Freiheit, aber keine politischen Ämter |
| Baptisten | England, Kolonien | Erwachsenentaufe, Gemeindeautonomie; Aufstieg im Great Awakening |
| Methodisten | England (Wesley) | evangelikale Erweckung, Klassen und Wanderprediger |
Quellen und Belege
Primärquellen – Heinrich Melchior Mühlenberg, Tagebücher und Berichte nach Halle; das Ministerium von Pennsylvania (1748) – Benjamin Franklin, Observations Concerning the Increase of Mankind (1751) — „Palatine Boors”; die Sorge vor der „Germanisierung” Pennsylvanias
Sekundärliteratur und Belege – Zu Mühlenberg: 1742 von den Franckeschen Stiftungen in Halle nach Pennsylvania gesandt; Ecclesia plantanda (eine eigenständige amerikanische Kirche, keine Kopie der Landeskirche); „Patriarch des amerikanischen Luthertums” – Zu William Penns „holy experiment” (1681) und dem religiösen Pluralismus Pennsylvanias (Quäker, Mennoniten, Amische, Mährische Brüder, Schwenkfelder u. a.) – Zu Conrad Weiser: Jugend unter den Mohawk; Dolmetscher und Unterhändler der Sechs Nationen; sechs Jahre im Ephrata-Kloster (Conrad Beissel); Schwiegervater Mühlenbergs (Heirat mit Anna Maria Weiser, 1745) – Zum Ephrata-Kloster: das Lazarett des Winters 1777/78 (rund 250 Verwundete aus Brandywine und Germantown, 57 gestorbene Soldaten, Fleckfieber-Tote auch unter den Ordensleuten, Massengrab Mount Zion); der Märtyrerspiegel (Ephrata-Druck 1748–51, größtes Buch des kolonialen Amerika), dessen Exemplare im Krieg zu Patronenpapier zerschnitten wurden – Zu Peter Mühlenberg, dem „fighting parson”: die Predigt- und Talar-Szene ist erst in der Biografie seines Großneffen Henry A. Muhlenberg (1849) überliefert, also Tradition, nicht zeitgenössisch belegt; General im Unabhängigkeitskrieg, später Kongressabgeordneter – Zu Friedrich Mühlenberg: erster Sprecher des US-Repräsentantenhauses (ab 1789); die „Muhlenberg-Legende” um die Abstimmung 1794/95 über den Druck von Bundesgesetzen auf Deutsch (42:41 gescheitert, Mühlenberg enthielt sich) — der Mythos von der knapp verfehlten „deutschen Amtssprache” ist historisch falsch (vgl. Dennis Baron; engl. Wikipedia „Muhlenberg legend”) – Dass die Religion „von unten” kein pietistisches Monopol war: die Presbyterianer (Francis Makemie, erstes Presbyterium 1706; Log College → Princeton; presbyteriale Selbstverwaltung); die anglikanischen Gesellschaften SPCK (1698) und SPG (1701), deren Armenschulwerk Franckes Halle zum Vorbild nahm (die dänisch-hallesche Indienmission als anglikanisch-lutherische Kooperation); die Mährischen Brüder (Zinzendorf, aus Halle) und ihr Einfluss auf Wesley und den Methodismus – Zur katholischen Mission als staatsgestütztes „von oben”: Jesuiten in Neufrankreich, Franziskaner in Neuspanien, von der spanischen Krone finanziert; in den britischen Kolonien eine verfolgte Minderheit (Maryland ausgenommen) – Zur freiwilligen Religion ohne Staatskirche im Vergleich zur europäischen Staatskirche: Alexis de Tocqueville, Über die Demokratie in Amerika (1835/1840)
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